Mittwoch, 15. Oktober 2014

Quer durch die Weite Namibias

Bei der Ausfahrt durch das Anderson Gate (nur durch eines der insgesamt drei Tore gelangt man in- bzw. aus dem Park) werden wir noch nach mitgebrachtem Fleisch gefragt. Ursprünglich von den Deutschen zur Eindämmung der Rinderpest eingeführt, hat man bis heute dieses bewährte Einfuhrverbot beibehalten.
Nach 10 km blieben wir auf dem  CP Etosha Safare Lodge. Dieser  wäre  auch eine gute Ausgangsbasis um die westliche Region des Nationalparkes zu erkunden, wenn man drinnen keinen Platz bekommen hätte. 
Wir jedenfalls genossen so richtig , dass wir, erstmals in Namibia, auf Rasen standen. Wir gingen sogar barfuß rund ums Auto. Abends holten wir uns noch einen Schlaftrunk im Restaurantbetrieb und waren erstaunt über den regen Besuch  —  fast alles Schweizer. Es spielten zwei Gitarristen ohne Verstärker, bei uns unvorstellbar. Das Lokal bestach nicht nur wegen seiner originelle Einrichtung; 2 aufeinander gelegte und ein hinten aufgestellter, bespannter Autoreifen mit einer dazugepassten Armlehne, sowie halbierte Badewannen auf einem Schubkarrenfahrgestell ergaben  die gerne  genutzte Sitzgelegenheit rund um das offenes Feuer. 



Weiter ging es Richtung Khorixas. Die Asfaltstraße war in einem Zustand, als wären erst gestern nach dem Neuerrichten die Markierungsarbeiten abgeschlossen worden. Ein Traum.
Ein Abstecher zur Felsformation „Fingerklip“ im Urgabtal bescherte uns wieder Schotterstraße.




 Zwischenzeitlich waren wir bereits besser daran gewöhnt und fuhren auch etwas schneller. Unser kleiner „Suzuki“ machte seine Arbeit, trotz seines Leichtgewichtes,  recht gut. Nur in den schlimmen, wirklich hohen Wellblechwellen hatte man das Gefühl, dass  das Auto auseinanderfallen würde und das Unterkiefer klappere den Takt dazu  —  ganz ehrlich, mit dem eigenen Auto würde es einem bis in die Seele hinein weh tun! Eine Abwechslung brachten staubgefüllte Abschnitte, die „ohne Steuerung“ durchschwommen werden. 




Die Felsformation rund um den Fingerklip versetzte uns ein bisschen in dieVorstellung des Grand Canon. 

                                           Die Urgab Lodge hat auch einen Campingplatz




                                   Die Lodges bieten einen wunderbaren Blick in die Landschaft


In den Schotterstrecken wurde so gut wie jede Biegung durch Verkehrszeichen vorangekündigt; Wegweiser hingegen befinden sich oft auf Betonklötzen und sind meist unleserlich.  Hier führte das zu einem 100 km langen Umweg zurück auf den Asfalt.
Die "Strasse" führte uns durch Farmergebiet und immer wieder mussten wir ein ein Gatter öffnen und auch wieder schliessen.






So erreichten wir recht müde unser Ziel. Voll tanken, wann immer sich Gelegenheit ergibt, wurde bereits zur Gewohnheit. Gegenüber  der Tankstelle wieder ein Camp mit Rasen. Hier bereiteten wir einen landestypischen Braill. Das ist das, hier überaus beliebte, Grillen. Dazu braucht hierzulande niemand Holzkohle; mit abgebranntem Holz entsteht ein Glutstock und das genügt.
So gut wie jeder Stellplatz auf den CP’s verfügt über eine Grillstelle; hier war sie  aus Natursteinen gewauert. Manchmal war es auch eine Blechtonne mit Gitteraufsatz. Hier grillten wir wie Fred Feuerstein und Bani Geröllheimer und von der Tankstelle herüber untermalte angenehme Suahelimusik unseren Grillabend. 





Das Bargeld beginnt immer weniger zu werden, deshalb fragte ich den CP Chef,  wo ich hier Geld wechseln könne. "Mainstreet outside of the Campsite on the right side" war die Antwort. Doch zuerst wollte ich noch einige Lebensmittel einkaufen, ich fragte auf der Strasse eine Einheimische mit Kind und sie zeigte mir den Market. Man bekommt hier wirklich alles, die Geschäfte sind supersauber, beim Verlassen darf man den Einkaufswagen nicht aus dem Geschäft zum Auto  mitnehmen, sondern an der Kassa wird der Einkauf in Nylonsäcke verstaut und beim Ausgang des Geschäftes wird der Kassabon kontrolliert und entwertet.

                                      

Zuerst kaufte ich bei den Gemüsehändlern Obst ... jedes Säckchen mit  zwei Äpfeln, einer Birne und einer Orange kostet 10 Namibien Dollar = 70 Cent

Der Geldwechsel in der Bank war eine äusserst langwierige Prozedur. Erstens musste ich lange anstehen, bis ich an der Reihe war, obwohl nur vier Personen vor mir anstanden, dann kam ich zu dem Schalter an dem eine jüngere Dame, elegant gekleidet mit geglättetem und pommierten Haaren - jedoch mit Euro scheint sie keine Erfahrung zu haben. Deshalb wurde der Chef des Hauses hinzugezogen und das ganze Prozedere begann von vorne. Schlussendlich zählte er mit diskret hinter dem Pult das Geld vor. Eigentlich wäre es gar nicht notwendig, Euros mitzunehmen, denn fast überall gibt es internationale Bankomaten, wo man mit der Bankomatkarte abheben kann, allerdings ist der Höchstbetrag meistens auf 2000 NAD begrenzt.
Vor den Geschäften saßen Einheimische, die sich viel zu erzählen hatten, angebettelt wurden wir kaum, obwohl wir der Meinung sind, dass viele der Menschen schon sehr arm sind.
 Doch  da es sich hier fast nur um Flutgouristen handelt , hat auch kaum jemand viel zu verschenken.





Während ich diesen Blog schreibe patscht mir ein ca 10 cm langer, schwerer Flip auf den Rücken, als ob er mir einen Ritterschlag verabreichen wollte ... schon ein etwas komisches Gefühl.

Die nächste Destination war der „versteinerten Wald“. Dabei handelt es sich um einstmals riesige Baumstämme, die in Urzeiten von einem heute nicht mehr existierenden Fluss aus dem Inneren von Afrika hierher transportiert wurden und hier versandeten, versteinerten und schließlich von der Natur wieder freigegeben wurden. Wie hier überall,  Zutritt nur nach Entrichtung der Nationalparkgebühr , 





              dafür wurden wir von einer Beamtin  durch das Gebiet begleitet, ihr Name ist Ingrid








Sie erklärte uns so manchen Strauch und  die Wirksamkeit der Früchte, wie z.B. diese sollen bei  Bluthochdruck helfen.




 Mit der Rinde dieses Strauches reiben sich die Himbas den ganzen Körper ein, das erübrigt das Waschen und hilft gegen Mückenstiche.




Auch die Welwetschia hatte Ingrid uns gezeigt. In der Mitte befindet sich der Oberteil der Wurzel, die sich drei Meter tief in den Boden bohrt. Weil es heuer so wenig geregnet hat, kann die Pflanze ihre Knospen nicht zum Blühen bringen. Diese Pflanze soll über 200 Jahre alt sein.




Am Strassenrand nach Twyfelfontein wurden von Einheimischen immer wieder handgemachte Gebrauchsgegenstände angeboten.



 

Von dieser Familie hatten wir zwei bemalte Schlüsselanhänger gekauft.


In Twyfelfontein kann man weltbekannten Felszeichnungen bewundern,  Das ist ohnehin nicht so ganz unseres, dann noch ein unfreundlicher Empfang, wieder Eintritt und ein Fußmarsch,  zudem starre Schließungszeiten  ...  wir haben es abgeblasen und sind wegen des nicht absehbaren Zeitaufwandes, bei wieder einmal katastrophaler Piste, zum zuletzt passierten Campground zurücckgefahren. 

CP’s gibt es hier wirklich von luxuriös bis primitiv. Der hier war von letzterer Sorte. Von drei Toiletten fuktionierte nur eine und zum Verschließen bei der Benützung, lag innen ein Stein bereit.  —  Allerdings jegliche Vorstellung vom Platzangebot vergleichbar mit einem europäischen CP's muss man in Namibia vergessen ... hier hat jeder Platz in Hülle und Fülle.

Mit diesem Gerät wird das Wasser heiss gemacht


Durch das ausgetrocknete Flussbett kam eine Elefantenfamilie auf den Campground, rissen einen Wasserschlauch los und bespritzen sich mit dem Nass. Ein herrlicher Anblick.



Nach dem nassen Vergnügen zieht die kleine Herde mit ihrem Jungen weiter.




                                        Am nächsten Morgen tollte dort eine Affenherde. 



Bis Hentiesbaai am Atlantik begleitete uns die „Naturstraße“, wurde jedoch deutlich besser. Das Wetter wurde diesig, fast nebelig und die schöne, bergig bunte Landschaft wich einer grauen, wüstenartigen Öde. 

—  Unser heutiger Übernachtungscamping bot jedem Stellplatz ein gemauertes Häuschen mit Dusche, WC, Grillplatz und Abwasch. aber mit rotem Sandboden , den man natürlich überallhin mitnahm, auch ins Bett. 



Wieder einmal eine asfaltierter Strassenbelag  —  fühlt sich an wie aufgelegte Seidenteppiche  —  mit so einem herrlichen Fahrgefühl ging es die Skelettküste entlang  bis nach Cape Cross. Heute wollten wir ganz viele Robben sehen. Die Küste erhielt ihren Namen von den zahlreichen, hier gestrandeten Schiffen.  







Oft wird vor einem "ohrenbeteubenden" Gestank gewarnt,  --  wir haben davon fast nichts bemerkt.